Aeroclimb
Aufgrund nicht vorhandener bzw. ungeeigneter und zudem sehr teurer Zugangssysteme für die Durchführung von "Nichtplanbaren, großen Reparaturen" an Rotorblättern von Windenergieanlagen bei montiertem Rotor, wurde von der AEROCONCEPT GmbH im Sommer 2002 die Entscheidung getroffen, die seilgestützte, selbstkletternde Arbeitsbühne AEROCLIMB TW/EW/GE 1.5 i/s/sl/s-Offshore zu entwickeln.
Aufgrund eines mit der GE Wind Energy GmbH bestehenden, langjährigen Kooperationsvertrages auf dem Gebiet der Rotorblattinstandhaltung, wurde das Augenmerk zunächst auf die uneingeschränkte Verwendbarkeit von AEROCLIMB an allen 1.5 Megawatt - Anlagen des Kooperationspartners gelegt. Dabei mußten neben unterschiedlichen Rotorblattdurchmessern und –Geometrien eine Vielzahl von Maschinenhausvarianten im Rahmen der Entwicklung berücksichtigt werden.
Gestützt auf die detaillierte Kenntnis der Erfordernisse an eine „schwebende Werkstatt“ durch die langjährige praktische Erfahrung, lag der Hauptanspruch auf einer perfekten Zugänglichkeit zum Rotorblatt. Optimale Greifreichweiten sollten jederzeit einfach durch das Servicepersonal einstellbar sein. Diese Forderung sollte mit der Möglichkeit gekoppelt sein, den Rotor auch bei hängender Arbeitsbühne noch drehen zu können – vorteilhaft, insbesondere im Hinblick auf zukünftige Offshore-Einsätze.
Aus einer Reihe von Designentwürfen wurde schließlich die gelenkige "Rhombus"-Lösung favorisiert.
Neben der Realisierung einer vergleichsweise einfachen Grundkonstruktion gelingt es mit AEROCLIMB in hervorragender Weise, die Forderung nach Anpassungsfähigkeit zur Erzielung einer jederzeit optimalen Greifreichweite zum Rotorblatt für das Servicepersonal sowie jene nach Drehbarkeit des Rotors bei hängender Bühne zu erfüllen.
Gründe genug, den Entwurf im Februar 2003 zum Patent anzumelden. Maschinen wie AEROCLIMB besitzen nach der EG-Maschinenrichtlinie ein besonderes Gefährdungspotential und dürfen daher nur dann innerhalb der Europäischen Union in den Verkehr gebracht werden, wenn im Rahmen einer EG-Baumusterprüfung der Nachweis erbracht werden kann, dass die Konstruktion und deren Berechnung den in der DIN EN 1808 niedergelegten "Sicherheitsanforderungen an hängende Personenaufnahmemittel" genügt.
Im Rahmen eines iterativen Prozesses wurden daher Konstruktion und Berechnung solange miteinander verknüpft, bis sowohl die konstruktiven, als auch die statischen Forderungen erfüllt werden konnten.
Die Konstruktion erfolgte vollständig mit Hilfe von 3D-CAD. Alle Berechnungen wurden mit der Methode der Finiten-Elemente durchgeführt. Nach Prüfung und Freigabe der Konstruktions-, Festigkeits– und Standsicherheitsberechnugen durch ein unabhängiges Prüfstatikbüro wurde im Mai 2003 mit der Fertigung eines ersten Prototypen begonnen. Bereits am 26. August 2003 konnten Prüfingenieure des Fachausschusses der Bau Prüf- und Zertifizierungsstelle im BG-PRÜFZERT dann AEROCLIMB erstmals an einer Windenergieanlage des Typs EW 1.5 sl mit 85 m Nabenhöhe und einem Rotordurchmesser von 77 Metern im Rahmen der EG-Baumusterprüfung im Einsatz prüfen.
Im Rahmen einer anschließenden zweijährigen Breitenerprobung wurde AEROCLIMB dann an unterschiedlichen 1.5 MW-Anlagen der GE Wind Energy GmbH bei verschiedenen Windverhältnissen erprobt. Anhand einer Vielzahl durchgeführter großer Reparaturen, z. T. bei Windgeschwindigkeiten von bis zu 14 m/s, konnte dabei eindrucksvoll demonstriert werden, dass AEROCLIMB die Erwartungen voll erfüllt.
Der Abschluß der EG-Baumusterprüfung und damit die Freigabe zur uneingeschränkten Verwendung in Europa erfolgte im August 2005. Im Februar 2007 wurde dann das Deutsche Patent 103 11 674 zur Arbeitsbühne AEROCLIMB erteilt. Seitdem sind Arbeiten mit den Arbeitsbühnen AEROCLIMB an mehreren hundert Windenergieanlagen ohne Störungen oder Unfälle kostengünstig und mit hoher Qualität durchgeführt worden. Unzweifelhaft kann gesagt werden, daß zurzeit weltweit keine weitere Arbeitsbühne mit einer auch nur annähernd vergleichbaren horizontalen Stabilität bei einer Nutzlast von 400 kg existiert, wie sie AEROCLIMB bietet.
Aufgrund der bisherigen, ausgesprochen positiven Erfahrungen ist für 2010 neben der Inbetriebnahme weiterer Arbeitsbühnen für die 1,5 MW-Klasse der Ersteinsatz eines größeren Nachfolgers von AEROCLIMB für Windeenergieanlagen der 2,5 MW-Klasse geplant.